Mit jetzt drei AIBA-Sternen ist die Rostockerin Susann Köpke höchstdotierte Kampfrichterin der Bundesrepublik im Amateurbereich

Seit 2010 amtiert sie, und jetzt ist Susann Köpke (PSV Rostock) Deutschlands höchstdotierte Kampfrichterin im Amateur-Boxen geworden! Auf der Rückreise von der „Boxing Night Olavinlinna“ im finnischen Savonlinna, konkret auf dem Flughafen von Kopenhagen, bekam sie die Bestätigungs-Mail: Sie hat beim Chemiepokal im Juni in Halle den dritten und letzten Stern der AIBA-Lizenz erworben und damit – als einzige Frau in der Bundesrepublik – den maximalen Status des Weltverbandes für den olympischen Faustkampf.

70 Fachfragen auf Englisch beantwortet

Zunächst galt es 70 Fachfragen auf Englisch schriftlich zu beantworten. „Ich war gut vorbereitet, habe nach einer halben, maximal Dreiviertelstunde als Erste abgegeben“, berichtet Susi Köpke.

Anschließend wurden ihre praktischen Leistungen im Ring bzw. als Punktrichterin bewertet. Hier seien die sich ändernden Maßstäbe die Schwierigkeit. Ging es beispielsweise früher darum, einen Kampf laufen zu lassen, nicht so oft zu unterbrechen, mehr mit Gestik und Worten einzugreifen, ist es nun fast umgedreht. Auch wird von den Juroren jetzt mehr Wert auf die Leistung der Referees beim Punkten gelegt (weil dies eher die Entscheidungen beeinflusst) als auf ihre Performance im Ring. „Deshalb war das schwer einzuschätzen. Die Prüfer ließen sich nicht in die Karten schauen. Aber als ich einen Finalkampf bekam, hatte ich das Gefühl, es könnte in die richtige Richtung laufen“, so die 35-Jährige. Das Gefühl trog sie nicht.

„Ein Hobby“, erzählt die hochqualifizierte Kampfrichterin, „ist das allerdings schon lange nicht mehr. Allein die ganze Zeit, die du da reinsteckst. Wenn man damit Geld verdienen könnte, wäre das mein Beruf. So ist es eher Passion. Dafür musst du ein bisschen verrückt sein und Opfer bringen.“

Wenn Hobby, dann ist das bei Susann Köpke das Motorradfahren. Mit ihrem Dienstwagen ist die Außendienst-Mitarbeiterin bei einem Fachgroßhandel für Haustechnik jeden Monat 5000 Kilometer unterwegs – mit ihrem „Ziegenbock“ indes „nie genug“: Seit Ostern 2016 fährt sie ein silberschwarzes Modell Lightning XB9SX der US-Marke Buell („Kein Motorrad zum Gasgeben, eher zum Spaßhaben“). Deren Eigentümer war das Unternehmen Harley-Davidson. Dieses verfügte 2009 die Einstellung der Produktion. Da also diese bullig-aggressiv anmutenden „Teile“ wie Susis 84-PS-Maschine längst nicht mehr hergestellt werden, sind sie Raritäten und damit praktisch ohne Wertverlust; der Kaufpreis von 6500 Euro war gut angelegtes Geld.

Olympia wäre ein Traum

Nicht ums Geld, wie gesagt, geht es bei der Box-„Schiedsrichterei“. Vielmehr darum, vielleicht eines Tages den allerhöchsten Gipfel zu erklimmen: Ihre AIBA***-Lizenz prädestiniert die Rostockerin auch für ein Amtieren bei Olympischen Spielen. „Das wäre ein Traum. Aber dafür musst du zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein, die richtigen Leute müssen dich sehen, und dann musst du noch gut performen“, weiß sie, dass viel zusammenkommen muss, stellt aber auch fest: „Nichts ist unmöglich. Das olympische Programm bei den Frauen wird 2020 in Tokio von drei auf fünf Gewichtsklassen erweitert, das erhöht die Chancen. Paris 2024 halte ich aber für realistischer.“

Nächster Einsatz bei Studenten-WM

Erst einmal wird Susann Köpke jedoch – das hat sich ganz kurzfristig ergeben – bei den Studenten-Weltmeisterschaften vom 1. bis 6. September im südrussischen Elista ihre Bilanz von gegenwärtig 819 Einsätzen als Ring- und 1954 als Punktrichterin aufstocken.

– Quelle: https://www.svz.de/20741447 ©2018

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